Bau eines sehr schnellen und leisen Home Servers
Verfasst: 20. Okt 2009, 12:39
Hallo zusammen,
mein Ziel war es, einen Home Server aufzubauen, der bei möglichst hoher Leistung einen geringen Stromverbrauch aufweist und nur bei Bedarf läuft, also kein
24/7-Betrieb. Ich denke, dieses Ziel verfolgen die Meisten, die sich einen solchen Server selber bauen.
Konkret hieß das für mich:
- min. 2TB Plattenplatz
- System und Daten möglichst auf verschiedenen Festplatten
- Ordnerduplizierung des WHS sollte so nutzbar sein, daß auch die persönlichen Daten auf verschiedenen Laufwerken gespiegelt sind
(Ausfallsicherheit durch "Software-RAID")
- Serverstart und -standby möglichst automatisch
- Leise Hardware, möglichst Lüfterlos
- Kopiergeschwindigkeiten sequenziell ca.50 MB/s lesend, schreibend entsprechend etwas geringer
- Kopiergeschwindigkeiten vieler kleinerer Dateien, z.B. ein Ordner mit Digitalfotos, sollte über USB-Geschwindigkeit sein, also >25-30 MB/s
- Stromverbrauch < 50 Watt maximal
Um im Netzwerk eine ordentliche Kopierperformance zu haben, war ein Gigabit-Netzwerkanschluss Pflicht. Die Geräte, die man von Acer, HP usw. Kaufen kann
haben aber trotzdem, zumindest laut verschiedener Berichte, die ich im Netz gefunden habe, nicht diese Leistung. (Korrigiert mich, wenn das falsch ist) Deshalb
und auch um erweitern zu können, kam nur ein Selbstbau in Frage.
1. Auswahl der Hardware:
- Zotac miniITX-A Dualcore Atom 330 (Lüfterloser Betrieb soll möglich sein, dazu später mehr)
- 4GB Ram GSkill F2-6400CL4D DDR2/800
- Systemfestplatte 1 x 2,5" Samsung HM160HI 160GB 5400 U/min
- Datenfestplatten 2 x 3,5" Samsung HD154UI Eco Green F2 5400U/min (sehr leise, sehr kühl)
- Gehäuse AOpen S120 Erweiterbares Gehäuse, es ist immer nur so groß, wie es sein muss. (absolut überzeugendes Konzept,siehe AOpen Homepage)
- 2 Erweiterungsrahmen für 3.5" Festplatten für das AOpen S120
Gesamtpreis für die Hardware incl. WHS Lizenz: 550 (also kein billiges Vergnügen)
Alle Komponenten waren technisch wie optisch einwandfrei.
2. Zusammenbau
Das Gehäuse ist ordentlich verarbeitet. Die Hochglanzoptik ist das einzige, was mich stört, und der Preis von rund 100 incl. der Erweiterungsrahmen ist
für meinen Geschmack happig. Aber - ich wollte dieses erweiterbare und zugleich sehr kompakte Gehäuse haben.
Als Allererstes kann man mal getrost die beiden 60mm Lüfter aus dem Gehäuse ausbauen. Die machen einen Höllenlärm und dieser Ausdruck untertreibt noch.
Wenn man das Ding nicht anschließend in der Besenkammer oder auf dem Dachboden parkt, kann man die Lüfter definitiv nicht einsetzen.
Der Zusammenbau gestaltet sich etwas schwierig, denn es ist wirklich alles sehr, sehr eng. Das Board läßt sich nicht einbauen, ohne den Powerschalter des Gehäuses
zu demontieren. Eine weitere Hürde ist die Stromversorgung der Festplatten. Das Standardkabel des Boards läßt sich aufgrund der Steckerform der Sata-Stecker
(sind nicht abgewinkelt) nicht verwenden. Deshalb sind Kabel dem Gehäuse beigelegt. diese benötigen aber jeweils einen einzelnen Stromanschluss. Es gibt aber
nur einen für alle drei Festplatten. Mit Y-Adaptern habe ich dieses Problem gelöst. Man sollte also nicht Samstag Nachmittag mit dem Bau anfangen, denn dann
ist garantiert, dass man nach 30 min aufhören und bis Montag warten kann. Dann hat der Computerladen wieder geöffnet....
Nachdem alles zusammengebaut war habe ich den Rechner gestartet und im BIOS ertmal die Temperaturen geprüft. Die Festplatten waren i.O. allerdings wurde die
CPU immer heißer.
Bei 70°C habe ich abgeschaltet. Was soll das erst im Sommer werden? Ich behaupte, lüfterlos ist dieses Board nicht zu betreiben. Alle Lüfter, die dem Board, oder dem
Gehäuse beiliegen, sind aus Lärmgründen nicht zu gebrauchen. An einen größeren Lüfter war aber mangels Platz nicht zu denken. Also habe ich noch einen weiteren
Rahmen gekauft, einen 120mm Skythe S-Flex Lüfter (1200 U/min), habe diesen in dem Rahmen befestigt (erfordert etwas Kreativität) und habe den zwischen
Grundgehäuse und den Rahmen für die Festplatten positioniert. Ergebnis: T < 40°C und schön leise.
3. Installation
Um eins gleich vorweg zu schicken. Kauft Euch, wenn Ihr es nicht schon habt, ein USB-Floppy. Das erspart viel Zeit und Nerven und ist jeden einzelnen der
investierten 25 wert.
Zuerst habe ich das Bios aktualisiert. AMI bietet ein Tool für Windows und eins für DOS. Windows ist ja noch nicht drauf und außerdem mache ich das auch
nicht so gerne so. Das DOS Tool ist wirklich rudimentär und erfordert ein Diskettenlaufwerk oder einen bootbaren USB-Stick. An dieser Stelle hatte ich das
Floppy noch nicht und habe das alles mit einem bootbaren USB-Stick gemacht. Geht auch, hat mich aber garantiert ne Stunde extra gekostet.
Das eigentliche Problem Kommt jetzt. Das Betriebssystem WHS ist, soweit ich das mitbekommen habe, eine Kombination aus Win Server 2003 und 2008.
Wenn man nun seineFestplatten im AHCI Modus laufen lassen möchte (so wie ich, damit NCQ funktioniert) muß man während der Installation Treiber mit
F6 einfügen. Hier kommt das Floppy zum Einsatz. Ich habe mehrere Stunden gebraucht und mindestens 10 DVDs "zerbrannt" um einzusehen, das die Integration
der Treiber in eine neue Boot-DVD nicht funktioniert. Diese sogenannten Slipstream CDs/DVDs habe ich schon für die verschiedensten Betriebssysteme und
immer mit Erfolg erstellt. Für den WHS funftionierte das, entgegen der Aussagen und Anleitungen verschiedener Leute im Internet, NICHT! Ich möche damit
nicht behaupten, dass das grundsätzlich nicht funktioniert, aber es ist auf jeden Fall kompliziert und zeitaufwändig. Das sollte man sich sparen.
Mit dem Floppy lief die Installation problemlos durch und nach ner guten Stunde, war das System Installiert. Remotedesktop eingerichtet, Lights out installiert
und ab in die Ecke mit dem Ding. Ab jetzt benötigt es nur noch Strom und Netzwerkkabel. Gerade am Anfang kann man nicht alles über die Konsole machen,
deshalb sollte man den Remotedesktop nutzen, oder Maus, Tastatur und Bilschirm solange angeschlossen lassen.
Lights out funktioniert perfekt. Wann immer ein Client PC hochfährt startet der Server und ist aus dem Standby unter 15 Sekunden einsatzbereit - auf jeden Fall,
bevor der Desktop des Client PC fertig aufgebaut ist.
4. Fazit
Es folgte eine positive Überraschung nach der anderen.
Die Stromverbräuche: (gemessen mit einem Steckdosenmessgerät, die Genauigkeit mag ich nicht beurteilen)
- Heruntergefahren: 0 Watt (erfreulich, ist nämlich nicht bei jedem Netzteil so)
- Standby: 1-2 Watt
- Desktop idle: 34 Watt (alle drei Platten laufen)
- Maximalverbrauch: Bisher konnte ich kein Szenario erzeugen, welches die 40 Watt Marke überschreiten konnte
Die Kopierleistung:
- Sequensielles schreiben (ca. 10GB großer Image-File) >60 MB/s
- Sequenzielles Lesen (Gleicher File wie oben) >80 MB/s
- Datenen kopieren (Ordner mit 300 MB Digitalfotos) > 40 MB/s
Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Deshalb kann ich abschließend sagen, dass sich die Mühe, die zweifellos nicht gering war, als auch der Finanzielle
Aufwand voll gelohnt haben.
Die Sicherungen der Systempartitionen der Client PCs und der persönlichen Daten habe ich noch nicht durchgeführt. Falls es da noch die eine oder andere Hürde gibt,
werde ich davon berichten.
Ich hoffe, ich konnte Euch mit ein paar interessanten Informationen versorgen.
Für Tipps und Anregungen bin ich dankbar.
Grüße, Mick
mein Ziel war es, einen Home Server aufzubauen, der bei möglichst hoher Leistung einen geringen Stromverbrauch aufweist und nur bei Bedarf läuft, also kein
24/7-Betrieb. Ich denke, dieses Ziel verfolgen die Meisten, die sich einen solchen Server selber bauen.
Konkret hieß das für mich:
- min. 2TB Plattenplatz
- System und Daten möglichst auf verschiedenen Festplatten
- Ordnerduplizierung des WHS sollte so nutzbar sein, daß auch die persönlichen Daten auf verschiedenen Laufwerken gespiegelt sind
(Ausfallsicherheit durch "Software-RAID")
- Serverstart und -standby möglichst automatisch
- Leise Hardware, möglichst Lüfterlos
- Kopiergeschwindigkeiten sequenziell ca.50 MB/s lesend, schreibend entsprechend etwas geringer
- Kopiergeschwindigkeiten vieler kleinerer Dateien, z.B. ein Ordner mit Digitalfotos, sollte über USB-Geschwindigkeit sein, also >25-30 MB/s
- Stromverbrauch < 50 Watt maximal
Um im Netzwerk eine ordentliche Kopierperformance zu haben, war ein Gigabit-Netzwerkanschluss Pflicht. Die Geräte, die man von Acer, HP usw. Kaufen kann
haben aber trotzdem, zumindest laut verschiedener Berichte, die ich im Netz gefunden habe, nicht diese Leistung. (Korrigiert mich, wenn das falsch ist) Deshalb
und auch um erweitern zu können, kam nur ein Selbstbau in Frage.
1. Auswahl der Hardware:
- Zotac miniITX-A Dualcore Atom 330 (Lüfterloser Betrieb soll möglich sein, dazu später mehr)
- 4GB Ram GSkill F2-6400CL4D DDR2/800
- Systemfestplatte 1 x 2,5" Samsung HM160HI 160GB 5400 U/min
- Datenfestplatten 2 x 3,5" Samsung HD154UI Eco Green F2 5400U/min (sehr leise, sehr kühl)
- Gehäuse AOpen S120 Erweiterbares Gehäuse, es ist immer nur so groß, wie es sein muss. (absolut überzeugendes Konzept,siehe AOpen Homepage)
- 2 Erweiterungsrahmen für 3.5" Festplatten für das AOpen S120
Gesamtpreis für die Hardware incl. WHS Lizenz: 550 (also kein billiges Vergnügen)
Alle Komponenten waren technisch wie optisch einwandfrei.
2. Zusammenbau
Das Gehäuse ist ordentlich verarbeitet. Die Hochglanzoptik ist das einzige, was mich stört, und der Preis von rund 100 incl. der Erweiterungsrahmen ist
für meinen Geschmack happig. Aber - ich wollte dieses erweiterbare und zugleich sehr kompakte Gehäuse haben.
Als Allererstes kann man mal getrost die beiden 60mm Lüfter aus dem Gehäuse ausbauen. Die machen einen Höllenlärm und dieser Ausdruck untertreibt noch.
Wenn man das Ding nicht anschließend in der Besenkammer oder auf dem Dachboden parkt, kann man die Lüfter definitiv nicht einsetzen.
Der Zusammenbau gestaltet sich etwas schwierig, denn es ist wirklich alles sehr, sehr eng. Das Board läßt sich nicht einbauen, ohne den Powerschalter des Gehäuses
zu demontieren. Eine weitere Hürde ist die Stromversorgung der Festplatten. Das Standardkabel des Boards läßt sich aufgrund der Steckerform der Sata-Stecker
(sind nicht abgewinkelt) nicht verwenden. Deshalb sind Kabel dem Gehäuse beigelegt. diese benötigen aber jeweils einen einzelnen Stromanschluss. Es gibt aber
nur einen für alle drei Festplatten. Mit Y-Adaptern habe ich dieses Problem gelöst. Man sollte also nicht Samstag Nachmittag mit dem Bau anfangen, denn dann
ist garantiert, dass man nach 30 min aufhören und bis Montag warten kann. Dann hat der Computerladen wieder geöffnet....
Nachdem alles zusammengebaut war habe ich den Rechner gestartet und im BIOS ertmal die Temperaturen geprüft. Die Festplatten waren i.O. allerdings wurde die
CPU immer heißer.
Bei 70°C habe ich abgeschaltet. Was soll das erst im Sommer werden? Ich behaupte, lüfterlos ist dieses Board nicht zu betreiben. Alle Lüfter, die dem Board, oder dem
Gehäuse beiliegen, sind aus Lärmgründen nicht zu gebrauchen. An einen größeren Lüfter war aber mangels Platz nicht zu denken. Also habe ich noch einen weiteren
Rahmen gekauft, einen 120mm Skythe S-Flex Lüfter (1200 U/min), habe diesen in dem Rahmen befestigt (erfordert etwas Kreativität) und habe den zwischen
Grundgehäuse und den Rahmen für die Festplatten positioniert. Ergebnis: T < 40°C und schön leise.
3. Installation
Um eins gleich vorweg zu schicken. Kauft Euch, wenn Ihr es nicht schon habt, ein USB-Floppy. Das erspart viel Zeit und Nerven und ist jeden einzelnen der
investierten 25 wert.
Zuerst habe ich das Bios aktualisiert. AMI bietet ein Tool für Windows und eins für DOS. Windows ist ja noch nicht drauf und außerdem mache ich das auch
nicht so gerne so. Das DOS Tool ist wirklich rudimentär und erfordert ein Diskettenlaufwerk oder einen bootbaren USB-Stick. An dieser Stelle hatte ich das
Floppy noch nicht und habe das alles mit einem bootbaren USB-Stick gemacht. Geht auch, hat mich aber garantiert ne Stunde extra gekostet.
Das eigentliche Problem Kommt jetzt. Das Betriebssystem WHS ist, soweit ich das mitbekommen habe, eine Kombination aus Win Server 2003 und 2008.
Wenn man nun seineFestplatten im AHCI Modus laufen lassen möchte (so wie ich, damit NCQ funktioniert) muß man während der Installation Treiber mit
F6 einfügen. Hier kommt das Floppy zum Einsatz. Ich habe mehrere Stunden gebraucht und mindestens 10 DVDs "zerbrannt" um einzusehen, das die Integration
der Treiber in eine neue Boot-DVD nicht funktioniert. Diese sogenannten Slipstream CDs/DVDs habe ich schon für die verschiedensten Betriebssysteme und
immer mit Erfolg erstellt. Für den WHS funftionierte das, entgegen der Aussagen und Anleitungen verschiedener Leute im Internet, NICHT! Ich möche damit
nicht behaupten, dass das grundsätzlich nicht funktioniert, aber es ist auf jeden Fall kompliziert und zeitaufwändig. Das sollte man sich sparen.
Mit dem Floppy lief die Installation problemlos durch und nach ner guten Stunde, war das System Installiert. Remotedesktop eingerichtet, Lights out installiert
und ab in die Ecke mit dem Ding. Ab jetzt benötigt es nur noch Strom und Netzwerkkabel. Gerade am Anfang kann man nicht alles über die Konsole machen,
deshalb sollte man den Remotedesktop nutzen, oder Maus, Tastatur und Bilschirm solange angeschlossen lassen.
Lights out funktioniert perfekt. Wann immer ein Client PC hochfährt startet der Server und ist aus dem Standby unter 15 Sekunden einsatzbereit - auf jeden Fall,
bevor der Desktop des Client PC fertig aufgebaut ist.
4. Fazit
Es folgte eine positive Überraschung nach der anderen.
Die Stromverbräuche: (gemessen mit einem Steckdosenmessgerät, die Genauigkeit mag ich nicht beurteilen)
- Heruntergefahren: 0 Watt (erfreulich, ist nämlich nicht bei jedem Netzteil so)
- Standby: 1-2 Watt
- Desktop idle: 34 Watt (alle drei Platten laufen)
- Maximalverbrauch: Bisher konnte ich kein Szenario erzeugen, welches die 40 Watt Marke überschreiten konnte
Die Kopierleistung:
- Sequensielles schreiben (ca. 10GB großer Image-File) >60 MB/s
- Sequenzielles Lesen (Gleicher File wie oben) >80 MB/s
- Datenen kopieren (Ordner mit 300 MB Digitalfotos) > 40 MB/s
Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Deshalb kann ich abschließend sagen, dass sich die Mühe, die zweifellos nicht gering war, als auch der Finanzielle
Aufwand voll gelohnt haben.
Die Sicherungen der Systempartitionen der Client PCs und der persönlichen Daten habe ich noch nicht durchgeführt. Falls es da noch die eine oder andere Hürde gibt,
werde ich davon berichten.
Ich hoffe, ich konnte Euch mit ein paar interessanten Informationen versorgen.
Für Tipps und Anregungen bin ich dankbar.
Grüße, Mick